Suu babbele ba uus die Leud
Eine kleine Aufstellung des vielleicht schon fast vergessenen Heimatdialektes aus Hasselroth und Bildern aus vergangenen Tagen.
Gondsroth: 850 Jahr Feier, Aufstellung der Dampfmaschine
Vom Aabee bis zur Zwiwwelschlodde
Mit Erlaubnis des Verfassers entnommen aus : Helmut Weidemann, Dies ist mein Land. Ein Hasselrother Dialekt- und Heimatbuch. Hasselroth-Neuenhasslau 1993.
A
Aabee = Abort, Klosett
Aal = Alt
achele = genüßlich essen
ääbsch = verdreht, überzwerch, linkisch, unwirsch
addse = stehlen (vgl. Addsel, die diebische Elster)
addselbundich = schreiend bunt
allderiern, sich = sich aufregen, sich auslassen
allee uff = laß(t) uns gehen
Allmoaj = Egoist (All<es> mein !)
Gondsroth: Heinrich Reußwig, Im Schlag, mit der ersten Mähmaschine im Ort (um 1925)
B
Baabe = Vater (v. franz.papa)
baafe = schlagen (insbes. Tür)
babbele = reden, schwätzen
Baddschkappe = flache Schirmmütze
badduu = unbedingt (v. franz. partout = überall)
bääseme = fegen (v. Besem; ü.:enausbääseme = hinausjagen
Bajass = Narr (v. ital. baiazzo)
Balldiin = Halstuch, Schal
beehe = stark erwärmen (mhd. baehen = durch Umschlag erwärmen)
beheebd = mühsam, schwerfällig; auch zurückhaltend
beihalde, sich = sich gütlich tun
bekrinsele, jmd. = jemanden um den Bart gehen
Bennel = Band, Bindfaden
Bipps = Krankheit (Pips = Hühnerkrankheit)
biddsele = prickeln, davon Biddselwasser = Selterswasser
biggelhoadd = steinhart (Pickelhart)
Bimmbb = Schläge
bischbele = flüstern
boammbele = baumeln, hängen
Baosch = Bursche, auch: Liebhaber
Bobbes = Hintern (von Popo)
bollaadsche = undeutlich, unverständlich reden
bollscheschdragg = kerzengrade
breedsele = anbrennen, verbrennen
bronnse = pinkeln ("brunzen", von mhd. brunz = Harn)
Bruddsch = Schnute, missvergnügtes Gesicht
Burrem = (Dach-) Boden (mhd. bodem)
buschdewwiern = eigentlich buchstabieren; in Zusammensetzungen wie wegbuschdewwiern, enoajbuschdewwien gebraucht, bedeutet es weg-bzw. hineinmogeln
Gondsroth: Alltagsleben, Am Gasthof "Zum goldenen Stern" (ca. 1925)
C
siehe unter K und S
D
dabbe = treten; auch : nooch ebbes dabbe = nach etwas rasch greifen
Dabbes = täppischer, ungeschickter Mensch
dabbich = ungeschickt
Dalle = Delle
Dalles = Unglück, Bankrott, Zustand der Zerstörung (Bruch on Dalles); von jidd. dalless = Elend, Armut
Däuwerd = Tauber
Dedds = Zitze(n), auch weibl. Brust
Deeds = Kopf (v. franz. tete)
Deggkobb = Dickkopf
Derrabbsch = dürrer Mensch
dewidd = dagegen
Dibbche = kleiner Topf, auch Nachttopf
Dippe = Topf
Dischkasde = Schublade
doaddsele = torkeln, taumeln
Dobbsch = Kreisel (Kinderspielzeug); ü.: kloaaner Dobbsch = kleiner Kerl
Dochdermann = Schwiegersohn
Dorrmel = schwächlicher Mensch
Droddwaa = Bürgersteig, Trottoir (a. d. Franz.)
dubbe = Springen (Ball)
dubbsche = (jem.) ducken, niederhalten
Dulle = weibl. Geschlechtsorgan; Aal Dulle = Schimpfwort für eine Frau
Duurehof = Friedhof (Totenhof)
Gondsroth: Familie Herbert vor ihrem Haus in der Hauptstrasse (um 1926)
E
edds = jetzt
emmbern, sich = sich äußern, sich rühren
ennfärreme = einfädeln
erholldern, sich = sich erholen
Errwes = Erbsen
Gondsroth: Besinnliche Feierabendstunde in der Hauptstrasse am Haus Röder (um 1930)
F
feerchde = fürchten
Feng = Schläge
Fengsich = Fangen (Kinderspiel)
Fillsel = Füllmasse (z.B. für Geflügel)
Fissel = Faser, Fädchen
fladdsche = hauen
fladdschern = flattern
flenne = weinen
Fliddsch = Flügel
Foaschee = Tempo, Schwung ("die Forsche")
Freeschi = kleiner Frosch; ü.: kleines Kind
Freggel = Ferkel
Gondsroth: Landwirt Konrad Schmidt bei der Ausfahrt auf das Feld (ca. 1932)
G
gaalern = herumalbern
Gaas = Ziege, Geiß
gaaggelich = lang, ausgeschlossen, schwankend
Gassel = Peitsche (Geißel)
gaudse = bellen
Geedd = Padin
Geehunger = Heißhunger
Gelerr = Gerümpel
Gewoann = Flur(stück)
Gezebbsel = Bezeichnung für Kinder
giegse = pieken, sticheln
Giggel = Hahn (Gockel)
gillern = in hohen Tönen schreien
goaagse = rülbsen
Goode = Patin (siehe auch Geed; mhd. got<t>e)
Groaabschebbe = Spaten, Grabschippe im Gegensatz zur "Schipp-Scheppe"
groajne = weinen
Gummer(n) = Gurke
Gusche = Mund
Guuds = Bonbon(s) v. Fanz. bon = gut
Gondsroth: Frauen beim Erntedankfest (ca. 1937)
H
haache = hauen
Haahebber = Heuschrecke ("-Hüpfer")
Herbsdkrebbel = dürftige Kreatur, urspr. Tier aus einem Wurf im Herbst
Herrgoddsgoawwel = scherzhaft für die Hand, mit der man isst, statt die Gabel zu benutzen
Hinggel = Huhn
hinnewidd = gegen das Hinterteil
Hoanneboammbel = Hampelmann, Schwächling
hobbe = halten
howwe = haben
Huddsche = Hausschuhe
Blick vom Wingert auf Gondsroth
I
Iddsche = unangenehme, schnippische Frau
iggern = sticheln, necken
Ihrn, Haus-Ihrn = Hausflur
iwwerhibbele = überspringen
iwwernobbe = überwinden (z.B. eine Krankheit)
J
jaunern = jaulen, klagen
jeemern = jammern
Jurregässer = "Judengässer"-Schimpfwort für frechen, gewöhnlichen Mensch
Gondsroth: Der Touristenverein "Edelweiß" bei einem Ausflug (ca.1934)
K
Käalle = Kerl, auch Geliebter
Kaude = Grube, Kuhle (Soandkaude = Sandgrube)
Kennel = Fallrohr der Dachrinne
Kibbel = Hügel (von Kuppe)
Kiel = Runkelrübe
klebbern = schlagen, rühren (z.B. Eier)
kleffe = (Fenster oder Tür) einen Spalt weit öffnen
kliddsche = ausgleiten, glitschen
Kligger = Murmel(n)
Kneibche = kleines Küchenmesser
knichele = piesacken, schikanieren
Knoadds = Aststelle im Holz, auch Endstück vom Brot
knoddern = Brummeln, murren
Koaaler = Kater
Koaaschd = Karst (dreizinkige Hacke für Feldarbeit)
Kobbche = Tasse
Kolldern = Wolldecke
Kräbbel = Krapfen, Berliner
Krängg = Krankheit
Kresch = Schrei (von kreischen)
Krescher = Schreihals
Krissel = unleidlicher Mensch
Krobbe = (Koch-) Topf
kroddse, verkroddse = verstümmeln, verschandeln
Krombiern = Kartoffel ("Grundbirnen")
kruuschele = herumkramen (Kruschel ist Kram, ähnlich Gelerr)
Kuschber = Liebhaber (von franz. coucher = zu Bett bringen)
Kuschemuggel = undurchsichtige Dinge, auch heimliche Liebschaft
Gondsroth: Einschulung 1957 / 1958 mit Lehrer Adam Reußwig und Alois Römer
L
Laddwerch = Pflaumenmus
Läuserd = Lausbub (auch "Läusbou")
lihne = leihen
Loammberie = Fußleiste
Loaame = Lehm
loangmäulich = gierig (nach Eß- oder Trinkbarem)
lunnse = ein Schläfchen machen (mhd. lunzen = leicht schlummern)
luurich = unbeständig (Wetter)
Fussballverein "Teutonia Gondsroth", gegründet vor 1914, Auflösung um 1930
M
Madde = Quark
Maddekouche = Käsekuchen
Maddsel = Schleimabsonderung des Auges
Määlbabb = aus Mehl angerührter Kleister
mallaadd = krank (v. franz. malade)
Meddsel = Schlachtessen
Memm = weibl. Brust
Moaane = (großer) Korb
Moamme = Mutter
Mugg = weibl. Schwein; auch als Schimpfwort gebraucht
N
nääwenaus = nach neben; nääwenaus gieh = fremdgehen
Noochdesse = Abendessen
noochd = danach, dann
O
Oaffel = einen Arm voll (z.B. Stroh)
Oangge = Nacken ("Anke"; mhd. anke)
obbgegemmerd = erschöpft, abgekämpft
obbkraddse = Sterben
Obbnoddse = Abfälle (z.B. Kartoffelschalen)
obbschdroofe, oaan = jemd. "abstrafen", ironisch gebraucht für häufige Verwandenbesuche
Ollwel = Tölpel, Grobian, unangenehmer Mensch
oobenne, sich = sich mit jemd. anlegen, streiten
oodoo = anziehen
Oofloadd = unflätiger, maßloser Mensch
oogenäuisch = maßlos (im Essen und Trinken)
Ooleidd = unleidlicher Mensch
Oonoome = Spitzname, Hausname ("Unname")
Oos = "Aas", ein Schimpfwort insbes. für Frauen,
(verstärkt Version = Schlaagsoos, Stäuweoos, Gewidderoos)
ooschäann = schezhaft für anziehen ("anschirren" )
ooschdimmele = anstiften
Oowenner = "Anwender", Randstück des Feldes, auf dem der Pflug gewendet wurde, auch Randstück des Brotes und des Kuchens
owwedraus = aufgebracht
Gondsroth: Hochzeitsgesellschaft vom Knöll´s Karl 1931
P
Pedder = Pate
peddse = kneifen
ploddse = auf-, anstoßen, insbesondere Obst
preeggele = märkeln, nörgeln
Prüchel = Prügel; ü.: ungezogener (junger) Mann
Pull, Puddel = Jauche
Q
Quellkadoffel = Pellkartoffel(n),; auch "Gequellde"
Queddsche = Zwetschge
quirregääl = quittengelb
quiddschern = zwitschern
quullern = bezeichnet das Knurren ("Kollern") des Magens
Gondsroth " In der "Ecke"
R
Raal = Prügel, Ast
rabbele = klappern; auch: klingeln (Wecker); pinkeln ("e Rabbelche mache")
Radds = Iltis
raggeschdeif = völlig steif
raume = von der Hand gehen, voran gehen
Rawwaasch = Aufregung, Wirbel (v. franz. ravage = Verwüstung)
rebbele = reiben
redduur = zurück (v. franz. retout)
Reggadd = Respekt, Achtung
Riwwel = Krümmel, Streusel, davon Riwwelkouche
Roangge = Kanten (Brot)
Gondsroth: Plasterarbeiten
S
saasche = urinieren ("seichen")
Säggel = Hosentasche; davon ensäggele = in die Tasche stecken
sällemool = damals
Säulebbs = Bezeichnung für jemanden, der sich "einsaut" oder sich "vollsaut"
Saggduch = Taschentuch
Schbadds = das männliche Glied
schbeggeliern = aufpassen, genau beobachten ("spekulieren")
schbeudse = spucken
Schdebbel, auch Schdobbe = Stopfen; ü. kleiner Mensch
Schdeffel = Phal, Stütze
schdeggedussder = stockfinster
Schdigger = unbestimmte Mengenangabe
schdommbbe = stoßen, schubsen
schdragg = gerade, auch steif
schdribbse = entwnden (z.B. Abbel schdribbse)
schdronnse = angeben, prahlen
Schdommbsel = Kartoffelbrei
schelle = schelten, schimpfen
Schennpladde = abgeschundene Stelle der Haut; ü. abgeschlagene Stelle z.B an einem Emailletopf (von schinden = mhd. Haut abziehen)
Scheuern = Scheune
Scheuerboammbel = selbstgezogener Tabak, der unter dem Scheunendach zum trocknen aufgehängt wurde
Schiwwern = Holzspan, Anzündholz
schligge = den Schluckauf haben
schnabbe = hinken
Schnäächel = Schnecke , Nacktschnecke
Schnäuber = wählerischer Esser
Schoude = Witzbold, Narr
Schudd = starker Regenguß (von schütten)
suggele = saugen
Geflügelzuchtverein Gondsroth bei einem Festzug
T
Täaddche = Spritztour, vergnüglicher Ausflug
Tragooner = Bezeichnung für eine männlich - resulute Frau (Dragoner)
treddsche = stark regnen, triefen
treddschnaß = triefnass
Treesder, Treesderkaffee = Kaffeetafel nach einer Beerdigung
tribbsche = (zur Eile) treiben
U
uff = auf
ufforgge = aufstapeln (z.B. Holz)
uffploddse = aufschlagen (meist bei Fallobst gebraucht)
uffschdommbbe = (jmd.) ermahnen, zur Rede stellen, die Meinung sagen
uddse = necken, foppen
uures = überdrüssig
Uurese = Reste
Gondsroth: Belgeshof am Backhausborn (ca. 1937)
V
veraddsele = verzweifeln, ausser sich geraten
verbabbd = ü.: vernagelt (von babbe = kleben)
verbreedsele = anbrennen
verhoddsele = vertrocknen
verkroddse = verunstalten
verollwern = etwas vertun
verschdeggele, sich = sich verstecken
Verschdeggelsich oder Verschdeggelches = Versteckspiel
verschlabbe = verschlampen, verlieren
verschloose = verbummeln, vernachlässigen
W
Waads = männliches Schwein, Eber
Wäägschdeuer = Richtung, Fähigkeit, die Richtung zu halten
Wagger = schwerer Stein
Wasserschdoaa = Wasserstein, Ausguß in der Küche
Wegg = Brötchen
weise = zeigen
Well = Reisigbündel (von mhd. welle); davon Wellholz
Wellcherholz = Wälzholz ( zum Teig ausrollen)
wellchern = wälzen, rollen
Widdfraa = Witwe
Widdmoann = Witwer
e wingg = ein wenig
woammsche = hauen, schlagen
Woassem = Rasenstück
Wudds = Schwein
Gondsroth: 850 Jahr Feier, Klaus und Patrick Wagner
Z
zaggern = pflügen
zerrche = streiten, nörgeln
zobbele = zupfen (z.B. an den Haaren)
Zodde = Ausgießer an der Kanne
zoukomme = verderben
Zuchd = Unruhe, Unfug
Zuddel = unordentliche ("zottelige"), ungepflegte Frau
Zuures = Streit, Ärger, Lärm
Zwiwwelschlodde = Zwiebel, auch deren Grün
Wer mehr über den Hasselrother Dialekt erfahren möchte, dem sei das Dialekt- und Heimatbuch "Dies ist mein Land" von Helmut Weidemann angeraten. Es ist noch heute bei der Raiffeisenbank in Neuenhasslau erhältlich.