Die erste urkundliche Erwähnung von Gondsroth

26. Mai1151

 

Ortsjubiläen knüpfen in der Regel an die erste bekannte Erwähnung des Platzes in einer Urkunde an.

Mit dem Datum des 26. Mai 1151 stellt der Erzbischhof Heinrich von Mainz das Kloster Selbold mit allen seinen Besitzungen unter seinen Schutz. Dazu gehören auch die Kapellen in Mittela und die in Gondsroth.

An dieser Stelle soll nicht verschwiegen werden, dass es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um eine Fälschung handelt. Gefälscht von den Mönchen des Klosters Selbold, die sich mit dieser Urkunde einen Schutzbrief Ihrer Besitzungen selbst ausgestellt haben. Dennoch haben die Mönche um den Abt Bruder Gerhard des Klosters Selbold  mit dieser Fälschung lediglich den Zustand Ihrer Besitztümer von 1139 exakter, unter Nennung von Niedermittlau und Gondsroth ausformuliert. Als sie die Urkunde von 1151 datierten, übersahen Sie, dass es die angeblich ebenfalls unter Schutz gestellte Marienkirche in Gelnhausen noch gar nicht gegeben hatte; ihr Bau wurde erst um 1170 begonnen. 

Fotografierter Ausschnitt aus der Originalhandschrift

Der Original - Urkundentext ist im Selbolder Kopialbuch (Kopial Nr. 9573 im Archivar von Isenburg-Birstein), Seiten 79 bis 81 erhalten. Oben gezeigtes Foto ist eine Wiedergabe der Seite 80.

Es folgt eine Übersetzung der Urkunde aus dem Lateinischen von Hr. Helmut Weidemann, veröffentlicht in der Festschrift zum 850-Jahr-Feier Gondsroth.

26.Mai 1151  (Mainz)

Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit.

Wir, Heinrich, durch Gottes fürsorgende Gnade Erzbischhof auf dem Mainzer Stuhl.

Da ja schon früher durch beständige Bitten der Gottsuchenden für den Nutzen der Heiligen Kirche gesorgt und die Entwicklung von Ihrem Vorsteher weitergeführt wurde, sind wir der Ansicht, dass das Ansehen unseres Amtes von uns fordert, eine fromme Neigung nicht nur durch Worte zu begünstigen, sondern auch, wo es uns geeignet erscheint, mit rührigem Eifer die Hand zur Unterstützung zu regen.

Deshalb wollen wir der gegenwärtigen wie der zukünftigen Welt bekannt machen, dass unser hochgeschätzter Bruder Gerhard, der Abt des Klosters Selbold, uns mit seinen Brüdern lange schon bedrängt hat, den Ort selbst, in dem das erwähnte Kloster liegt, mit seinem Zubehör, die Pfarrkirchen des Heiligen Petrus in Selbold sowie der Heiligen Marie und des Heiligen Petrus in Gelnhausen, die Kapellen in Mittela und Gondsroth, in Hüttengesäß mit Besitzungen und Zubehör, die Zehnten in den erwähnten Landgütern sowie ihren übrigen Gütern, die sie gegenwärtig rechtsmäßig innehaben, und auch die, die sie kraft rechtmäßigen Titels besitzen werden, als auch die, die sie früher durch rechtmäßigen Anspruch in Besitz genommen haben, in den Schutz unserer väterlichen Hoheit zu nehmen.

Denen, die mit aller Demut immer wieder Entscheidungen anregen, haben wir endlich das Tor der Vergünstigung insofern geöffnet, als sie das, was sie durch Christi Segen und unsere Unterstützung zu Ehre und Nutzen für das Herren Haus durch göttliche Eingebung begonnen haben, mit eigener Hilfe in dem Sinne vollenden, dass diese Besitztum mit den schon übergebenen Dingen und denen, die immer übergeben werden mögen, und dass wie bisher die Besitzungen in jenem Grenzgebiet an der Kinzig nicht nur bei Selbold sondern auch bei Gelnhausen und den anderen erwähnten Landgütern der Selbolder Kirche gehören; so mögen sie auch von nun an ohne irgendjemandes Weigerung allen Einwandes zu Trotz unvergänglich erhalten bleiben.

Wir ordnen auch an, dass keiner der Pröpste, Dekane oder Archidiakone die vorgenannten Orte durch Rechtsverdrehung irgendeiner Klage oder Steuer oder die Schurkerei eines im Hause Aufgenommenen unsicher machen möge, sondern der Sprengel seine gewährten Rechte wohlbewahrt und unversehrt bleiben mögen.

Wir verleihen diesem Abt und seinen Nachfolgern und zugleich seinen Untergebenen das Recht zu predigen, zu taufen, zu beerdigen, Büßer wieder aufzunehmen, allen Schwachen zu helfen.

Damit aber diese unsere rechtsmäßige und gütig getroffene Verfügung mit Sicherheit bestehen und durch niemandes List zurückgenommen werde, befehlen wir, dass diese Urkunde von uns geschrieben und mit unserem beigedrückten Siegel geschützt werde, unter Androhung der Verfluchung, damit keine kirchliche oder weltliche Person wagt, mutwillig meiner Verfügung zuwider zu handeln.

Wenn das jemand versuchen würde, so würde die Entrüstung des Allmächtigen und der seligen Apostel Petrus und Paulus, des seligen Martin und den Ausspruch seiner Exkommunikation wegen solcher Angriffe erfahren.

Diese Verfügung sind im Jahre der Fleischwerdung des Herrn 1151, im vierzehnten Steuerjahr, gegeben worden. Dieses Privilegium ist durch sieben Zusammengetroffene, durch zwölf Verabredete unterzeichnet worden. Zeugen sind die, die zugegen gewesen und zugestimmt haben:

Dompropst Hartmann, Heinrich der Custos, Gerlach, Wilhelm der Gelehrte, Propst Burghard von Jechaburg, Propst Hartmann von St. Mauritius, die Kapellane Giselbert und Rudingus, die Äbte Heinrich von St. Alban und Gottfried von St. Jakob, die Grafen Heinrich von Katzenelnbogen und Gerhard von Nürings, Egbert von Gelnhausen, einer der Gründer dieses Ortes, Arnold von Hanau, Vicedomus Meingoz und sein Bruder Dudo, Truchseß Herold, Schenk Konrad, Marschall Hartmut.

Geschrieben zu Mainz am 26. im fünften Monat.

 

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